🌍Events 2026: Plan B & Steuern. Jetzt buchen! 🚀
Grundlagen

Zwei Bankpleiten in einer Woche: Was die Einlagensicherung in Serbien und Paraguay wirklich zahlt

Sebastian Sauerborn06. November 2026Aktualisiert 07. November 20268 Min. Lesezeit
Frau mit kurzen silbernen Haaren sitzt im Herbst auf einer Steinmauer im Festungspark von Belgrad und lächelt in die Kamera

Innerhalb von vier Tagen haben zwei Zentralbanken eine Bank vom Netz genommen. Am 30. Oktober 2026 entzog die Nationalbank Serbiens der Alta banka a.d. Beograd die Lizenz. Am 2. November leitete die Zentralbank von Paraguay das Abwicklungsverfahren gegen die ueno bank ein. Zwei Länder, zwei Kontinente, zwei völlig verschiedene Bankensysteme, und für die Kunden dieselbe Erfahrung: Von einem Tag auf den anderen kommst du nicht mehr an dein Geld.

Was danach passiert, entscheidet die Einlagensicherung. Wie viel sie zahlt, in welcher Währung, wie schnell und was mit dem Rest geschieht, regelt in beiden Ländern das Gesetz, und die Antworten fallen sehr verschieden aus. Die Lehre aus beiden Fällen ist trotzdem dieselbe, und sie hat weniger mit Serbien oder Paraguay zu tun als mit der Frage, wie viele Banken und wie viele Länder dein Geld tragen.

Serbien: Die Nationalbank entzieht der Alta banka die Lizenz

Der Exekutivausschuss der Narodna banka Srbije hat am 30. Oktober 2026 beschlossen, der Alta banka a.d. Beograd die Betriebserlaubnis zu entziehen. Die Mitteilung der Nationalbank nennt drei Gründe: Die Finanzlage der Bank habe sich erheblich verschlechtert, eine weitere Verschlechterung der Finanzlage oder der Liquidität sei möglich, und damit seien die Interessen der Einleger gefährdet. Zugleich stellte die Nationalbank fest, dass die Voraussetzungen für ein Konkursverfahren vorliegen, und übertrug die Verwaltung der Bank der Einlagensicherungsagentur, der Agencija za osiguranje depozita.

Am 3. November 2026 eröffnete das Handelsgericht Belgrad den Konkurs (Aktenzeichen 10 St 275/2026). Konkursverwalter ist die Einlagensicherungsagentur. Wer bei der Alta banka einen Kredit hat, muss nach Angaben der Nationalbank weiter zahlen, nur eben auf ein Konto des Konkursverwalters. Die Schulden verschwinden mit der Bank nicht.

Wichtig für die Einordnung: Die Nationalbank bezeichnet den serbischen Bankensektor in einer Erklärung vom 2. November als stabil, gut kapitalisiert und hoch liquide, und sie schreibt ausdrücklich, dass die Probleme einer einzelnen Bank nicht mit der Lage des ganzen Sektors gleichgesetzt werden können. Es ist der Fall einer Bank, nicht der eines Landes.

Was die serbische Einlagensicherung zahlt

Das serbische Gesetz über die Einlagensicherung ist klar formuliert. Versichert sind Einlagen bis 50.000 Euro je Einleger und je Bank (Artikel 2). Für die Auszahlung steht die Republik Serbien ein (Artikel 4). Zur versicherten Summe gehören auch die vertraglichen Zinsen bis zum Tag der Konkurseröffnung.

Geschützt sind nach Artikel 3 natürliche Personen, Einzelunternehmer sowie Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen. Nicht geschützt sind unter anderem große Unternehmen, staatliche Stellen und Gemeinden, Personen, die mit der Bank verbunden sind, Inhabereinlagen und Einlagen aus Geldwäsche.

Bei der Währung unterscheidet das Gesetz in Artikel 17 sauber:

  • Dinar-Einlagen werden in Dinar ausgezahlt. Gegen die Grenze von 50.000 Euro gerechnet werden sie zum offiziellen Mittelkurs der Nationalbank am Tag der Konkurseröffnung.
  • Fremdwährungseinlagen werden in Euro ausgezahlt. Ein Guthaben in Dollar oder Franken wird zum Mittelkurs dieses Tages in Euro umgerechnet.
  • Wer beides hatte, bekommt die Auszahlung anteilig im Verhältnis seiner Guthaben.

Und was über 50.000 Euro liegt? Nach Artikel 18 machen Einleger den Betrag oberhalb der Grenze im Konkursverfahren geltend. Ob und wann davon etwas zurückkommt, hängt davon ab, was die Konkursmasse hergibt. Das kann Jahre dauern, und eine Garantie gibt es dafür nicht.

Wie schnell das Geld in Serbien fließt

Auch die Fristen stehen im Gesetz. Nach Artikel 16 veröffentlicht die Agentur innerhalb von drei Werktagen nach dem Konkursbeschluss, ab wann, über welche Bank und an welchen Stellen ausgezahlt wird. Innerhalb von sieben Werktagen nach dem Beschluss des Gerichts müssen die Einleger über ihre Guthaben bis zur versicherten Summe verfügen können. Die auszahlende Bank ist die Banka Poštanska štedionica, die den Vertrag mit der Agentur am 5. November unterzeichnet hat.

Wer nicht sofort abholt, verliert nichts: Der Anspruch besteht drei Jahre ab dem Konkursbeschluss, also bis zum 3. November 2029.

Rechne die Kette einmal durch. Lizenzentzug am 30. Oktober, Konkurs am 3. November, Auszahlung spätestens sieben Werktage danach. Wer alles bei der Alta banka hatte, ist knapp zwei Wochen ohne Zugriff auf sein Geld, und das in einem Verfahren, das nach Plan läuft. Gehalt, Miete, Kartenzahlung: In diesen zwei Wochen läuft nichts davon über dieses Konto.

Paraguay: Das Abwicklungsverfahren gegen die ueno bank

In Paraguay beschloss das Direktorium des Banco Central del Paraguay am 2. November 2026 mit der Resolution Nr. 1, Akte Nr. 49, das Abwicklungsverfahren gegen die Ueno Bank S.A. Das hat die Bankenaufsicht in einem Schreiben mitgeteilt, das der Oberste Gerichtshof veröffentlicht hat. Grundlage ist Artikel 13 Buchstabe b des Gesetzes 2334/03: eine Solvenzquote von weniger als der Hälfte des gesetzlichen Minimums.

Die Folge steht in Artikel 14 desselben Gesetzes. Die Bankenaufsicht setzt Interventoren ein, und die Bank stellt ihre Einlagengeschäfte ein.

Der Fall reicht weit über die Bank hinaus. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am 3. November die Festnahme von Führungskräften der Bank und erhob am 4. November Anklage gegen 27 Personen. Am 5. November stimmte die Abgeordnetenkammer mit 78 Stimmen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Santiago Peña, der während der Sitzung seinen Rücktritt einreichte. Stand 7. November 2026: Der Senat hat Peña am 6. November als Gericht im Amtsenthebungsverfahren wegen schlechter Amtsführung für schuldig erklärt und abgesetzt. Noch am selben Tag wurde der bisherige Vizepräsident Pedro Alliana als Präsident vereidigt, er führt die Amtszeit bis 2028 zu Ende. Die politische Seite des Falls beleuchtet Perspektive Ausland im Fokus.

Was der Einlagensicherungsfonds in Paraguay zahlt

Paraguay rechnet seine Einlagensicherung nicht in Euro oder Dollar, sondern in Mindestlöhnen. Nach Artikel 1 des Gesetzes 2334/03 deckt der Fondo de Garantía de Depósitos Einlagen bis zum Gegenwert von 75 monatlichen Mindestlöhnen je Einleger und je Institut. Nach Angaben des Obersten Gerichtshofs sind das derzeit 228.300.000 Guaraní. Der Mindestlohn liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 3.044.000 Guaraní.

Vor der Auszahlung werden Schulden, die der Einleger bei der Bank hat, mit seinen Guthaben verrechnet. Gemeinschaftskonten werden zu gleichen Teilen auf die Inhaber aufgeteilt. Ausgeschlossen sind unter anderem die Einlagen von Direktoren und leitenden Angestellten der Bank, von Personen, die mit ihr verbunden sind, und Einlagen aus Scheingeschäften.

Ein Punkt, den viele übersehen: Das Gesetz drückt die Grenze in Mindestlöhnen aus, also in Guaraní. Eine eigene Regel für Guthaben in Dollar enthält es nicht. Wer in Paraguay Dollar hält, weil er dem Guaraní misstraut, sollte wissen, dass seine Absicherung in der Landeswährung gemessen wird.

Für die Abwicklung sieht das Gesetz mehrere Wege vor. Nach Artikel 18 kann die Zentralbank gedeckte Einlagen zusammen mit Vermögenswerten an solvente Banken übertragen oder die Garantie direkt auszahlen. Was danach übrig bleibt, geht nach Artikel 26 als Restbilanz an das zuständige Gericht zur Zwangsliquidation. Dort steht der ungedeckte Teil als Forderung, mit offenem Ausgang.

Wie schnell das Geld in Paraguay fließt

Nach dem Gesetz 2334/03 muss die Garantie innerhalb von 15 Kalendertagen nach dem Beschluss gezahlt werden. Das Direktorium der Zentralbank kann die Frist mit Begründung um weitere 15 Tage verlängern.

Der Kongress hat trotzdem nachgelegt. Am 4. November verabschiedete der Senat einstimmig das Gesetz 7745/2026, das einen Vorschuss von bis zu 40 Mindestlöhnen einführt, also bis rund 121,8 Millionen Guaraní. Die Zahlung beginnt innerhalb von 24 Stunden und darf höchstens fünf Werktage dauern. Fällige Schulden bei der Bank werden abgezogen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IP fließt das Geld auf das Konto mit dem höchsten verfügbaren Saldo, das der Kunde bei einer anderen Bank oder Finanzgesellschaft hat. Wer kein anderes Konto hat, bekommt ein Sparkonto auf seinen Namen bei einem anderen Institut eröffnet. Die Nachricht kommt per E-Mail von der Adresse fgdpagos@bcp.gov.py. Die Zahlungen sollten nach Angaben der Agentur am Donnerstag, 5. November, beginnen.

Wer betroffen ist, hält sich deshalb an drei Dinge: nur auf Mitteilungen der Zentralbank reagieren, keine Daten an Absender weitergeben, die eine schnellere Auszahlung versprechen, und die eigenen Kontostände und Verträge sichern, weil sie für den Teil oberhalb der Grenze die Grundlage der Forderung sind.

Die eigentliche Lehre: Eine Bank in einem Land ist das Risiko

Beide Fälle zeigen, wie Einlagensicherung wirklich funktioniert. Sie gilt je Einleger und je Bank. Zwei Konten bei derselben Bank teilen sich eine Grenze. Zwei Konten bei zwei Banken haben zwei Grenzen. Wer 90.000 Euro in Serbien auf zwei Banken verteilt, ist vollständig gesichert. Wer sie bei einer Bank liegen hat, trägt 40.000 Euro selbst.

Und selbst die volle Deckung löst das zweite Problem nicht: den Zugriff. In Serbien sind es nach Plan knapp zwei Wochen, in Paraguay brauchte es ein eigenes Gesetz, damit die ersten Zahlungen nach Tagen statt nach Wochen kommen. Wer in dieser Zeit kein zweites Konto hat, steht ohne Karte und ohne Überweisung da. Bemerkenswert ist dabei, wie Paraguay auszahlt: auf das Konto bei einer anderen Bank. Wer eines hatte, war im Vorteil.

Paraguay zeigt außerdem das Länderrisiko. Wenn eine Bankenkrise bis an die Staatsspitze reicht, hilft dir kein zweites Konto im selben Land so viel wie eines in einem anderen. Daraus folgen fünf einfache Regeln:

  • Zwei Banken für den Alltag. Gehalt und laufende Zahlungen über eine Bank, eine echte Reserve mit Karte und Online-Zugang bei einer zweiten.
  • Zwei Länder für die Reserve. Eine Bank in einem anderen Rechtsraum fällt nicht mit der Krise deines Hauptlands.
  • Unter der Grenze bleiben. Je Bank nicht mehr, als die Einlagensicherung dort deckt: 50.000 Euro in Serbien, 100.000 Euro in der EU, in Paraguay die Grenze in Guaraní.
  • Die Währung kennen. In Serbien kommt ein Fremdwährungsguthaben als Euro zurück, in Paraguay misst das Gesetz die Grenze in Guaraní.
  • Prüfen, ob du überhaupt gedeckt bist. Ein großes Unternehmen fällt in Serbien aus der Sicherung heraus, ein Direktor der eigenen Bank in Paraguay ebenso.

Wie die Systeme weltweit im Vergleich dastehen, zeigt die Übersicht zur Einlagensicherung weltweit. Was die EU an ihrer eigenen Einlagensicherung ändert, steht im Beitrag zur Richtlinie 2026/804.

Für Serbien als Standort ändert der Fall wenig. Das Bankensystem ist nach Angaben der Nationalbank stabil, die Einlagensicherung zahlt nach festen gesetzlichen Fristen, und die Grenze von 50.000 Euro je Einleger und Bank steht im Gesetz. Was er ändert, ist die Sorgfalt bei der Wahl der Bank. Wie ein Konto in Serbien eröffnet wird und was dafür gilt, steht auf der Seite Konto in Serbien eröffnen. Wer in Serbien leben will, findet Wohnsitz, Alltag und Banking-Vorbereitung bei unseren Kollegen von Balcasia. Was die Pleite der ueno bank für alle bedeutet, die in Paraguay leben oder dort ihren Wohnsitz nehmen wollen, ordnet VidaLibrePlan ein, die Adresse im Netzwerk für Paraguay.

Ein Konto im Ausland zu eröffnen und zu führen ist legal. Die Erträge bleiben in deinem Wohnsitzland steuerpflichtig, und es geht nicht ums Verstecken. Es geht darum, dass die Pleite einer einzigen Bank nicht dein ganzes Geld für Wochen festhält. Verteile dein Geld so, dass dich keine einzelne Bank und kein einzelnes Land lahmlegen kann.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.