
Ein Auslandskonto online eröffnen, ohne ein einziges Mal in ein Flugzeug zu steigen: Das ist heute in den meisten wichtigen Bankenrechtsordnungen ausdrücklich erlaubt. Die Geldwäschegesetze der EU, der Schweiz, des Vereinigten Königreichs und Singapurs kennen alle einen Weg, deine Identität aus der Ferne zu prüfen. Die eigentliche Hürde liegt woanders: Das Gesetz erlaubt die Fernidentifizierung, aber jede Bank entscheidet selbst, ob sie Nicht-Residenten auf diesem Weg aufnimmt. Wer wissen will, wo ein Konto im Ausland eröffnen ohne Reise tatsächlich klappt, muss beide Ebenen auseinanderhalten: was der Staat zulässt und was das Institut daraus macht.
Den allgemeinen Ablauf einer begleiteten Eröffnung beschreibt der Leitfaden Auslandskonto eröffnen. Die Frage davor lautet: Welche Identifizierungswege gibt es, und in welchen Ländern tragen sie?
Jede Kontoeröffnung beginnt mit derselben Pflicht: Die Bank muss feststellen, wer du bist. Am Schalter legst du den Pass vor. Ohne Reise bleiben im Kern drei Wege.
Video-Ident. Ein geschulter Mitarbeiter prüft dich und deinen Ausweis live in einem Videogespräch. Du kippst den Pass vor der Kamera, nennst die Seriennummer, bestätigst eine TAN. In Deutschland und der Schweiz steht das rechtlich dem Besuch am Schalter gleich.
Elektronische Identität. Statt eines Gesprächs liest die Bank einen staatlichen elektronischen Identitätsnachweis aus, in Deutschland etwa die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises, oder sie arbeitet mit einer qualifizierten elektronischen Signatur.
Beglaubigte Unterlagen und Vollmacht. Der klassische Weg vieler Banken außerhalb der EU: Du lässt Passkopie und Unterschrift von einem Notar beglaubigen, versiehst die Urkunde mit einer Apostille und schickst sie ein, oder ein Bevollmächtigter erledigt die Eröffnung vor Ort für dich. Welcher Weg offensteht, hängt vom Land und vom Institut ab.
Die Grundlage für alle 27 Mitgliedstaaten steht in der Geldwäscherichtlinie. Nach Artikel 13 Absatz 1 Buchstabe a der Richtlinie (EU) 2015/849 darf die Bank deine Identität anhand von Dokumenten, Daten oder Informationen prüfen, ausdrücklich einschließlich elektronischer Identifizierungsmittel, Vertrauensdienste nach der eIDAS-Verordnung oder anderer von den Behörden anerkannter sicherer Verfahren zur Identifizierung aus der Ferne. Anhang III derselben Richtlinie nennt Geschäftsbeziehungen ohne persönlichen Kontakt nur dann als Faktor für ein höheres Risiko, wenn genau diese Sicherungsmaßnahmen fehlen.
Ab dem 10. Juli 2027 wird das noch einheitlicher. Dann gilt die Geldwäscheverordnung (EU) 2024/1624 unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Ihr Artikel 22 Absatz 6 kennt zwei Wege der Identitätsprüfung: die Vorlage von Pass, Personalausweis oder einem gleichwertigen Dokument, oder elektronische Identifizierungsmittel auf dem Sicherheitsniveau „substanziell" oder „hoch". Welche technischen Bedingungen die neue EU-Geldwäschebehörde dafür vorschlägt, haben wir unter Kundenprüfung bei der Kontoeröffnung ab 2027 aufgeschlüsselt.
§ 12 Absatz 1 GwG zählt die zulässigen Prüfmittel auf: amtlicher Ausweis mit Lichtbild, elektronischer Identitätsnachweis nach dem Personalausweisgesetz oder dem eID-Karte-Gesetz, eine qualifizierte elektronische Signatur oder ein nach eIDAS notifiziertes Identifizierungssystem. Bei der Signatur muss zusätzlich eine Überweisung von einem Zahlungskonto auf deinen eigenen Namen kommen. § 13 GwG lässt neben der Prüfung vor Ort jedes Verfahren mit gleichwertigem Sicherheitsniveau zu.
Für das Videoverfahren gilt das Rundschreiben 3/2017 (GW) der BaFin. Es verlangt geschulte Mitarbeiter in zugangskontrollierten Räumen, eine Übertragung in Echtzeit ohne Unterbrechung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Fotos von dir und beiden Ausweisseiten, die Prüfung von mindestens drei Sicherheitsmerkmalen und eine TAN, die du während des Gesprächs eingibst. Firmen kann die Bank per Video nicht identifizieren, nur ihre Vertreter. Wer ein Geschäftskonto braucht, plant deshalb zusätzliche Unterlagen zur Gesellschaft ein.
In Österreich regelt die Finanzmarktaufsicht das Verfahren in der Online-Identifikationsverordnung. Nach ihrem § 4 bewegst du auf Aufforderung den Kopf, nennst die Seriennummer deines Ausweises oder eine Zufallsfolge, und der Mitarbeiter prüft Hologramme, Laminierung und Lichtbild. § 4 Absatz 6 erlaubt auch biometrische Identifikationsverfahren, die mindestens dasselbe Sicherheitsniveau erreichen müssen wie die Prüfung durch einen Mitarbeiter.
Die Rechtsgrundlage ist in allen Mitgliedstaaten vorhanden, das Angebot nicht überall. Welche Ausweise eine Bank im Videoverfahren akzeptiert und ob sie eine Adresse im eigenen Land verlangt, legt sie selbst fest. Für Leser aus Deutschland und Österreich gilt außerdem: Ein Konto in einem anderen EU-Staat unterliegt derselben EU-Abwicklungsrichtlinie 2014/59/EU wie das Konto zu Hause. Online eröffnet ist es schnell, ein zweites Standbein außerhalb dieses Regimes ist es damit noch nicht.
Die Schweiz gehörte zu den ersten Finanzplätzen, die die Fernidentifizierung zugelassen haben. Das Rundschreiben 2016/7 der FINMA stellt die Videoidentifizierung der persönlichen Vorsprache gleich und die Online-Identifizierung ohne Gespräch der echtheitsbestätigten Ausweiskopie. Nach der Medienmitteilung der FINMA vom 8. Oktober 2026 gilt seit dem 1. November 2026 eine Teilrevision: Sie bringt die Schweizer E-ID als Identifizierungsmittel, die Gleichstellung von Ausweisen mit QR-Code und eine Liveness Detection, also die Prüfung, dass vor der Kamera ein lebender Mensch sitzt und kein Bild. Was das Schritt für Schritt bedeutet, steht in unserem Beitrag zum Schweizer Konto online eröffnen nach den FINMA-Regeln.
Ob ein Schweizer Institut dich ohne Schweizer Wohnsitz digital aufnimmt, ist eine Frage seiner Geschäftspolitik. Der Rechtsrahmen dafür steht.
Im Vereinigten Königreich gilt nach Regulation 28(19) der Money Laundering Regulations 2017 eine Information als verlässliche, unabhängige Quelle, wenn sie über einen elektronischen Identifizierungsprozess gewonnen wurde, der vor Betrug und Missbrauch sicher ist. Regulation 33 stuft eine Beziehung ohne persönlichen Kontakt nur dann als höheres Risiko ein, wenn diese Absicherung fehlt. Rechtlich ist die Fernidentifizierung also Alltag. Ob eine britische Bank Kunden ohne Adresse im Land aufnimmt, entscheidet sie nach ihrem eigenen Risikoappetit.
Singapur geht denselben Weg. Die MAS Notice 626 für Banken verlangt in den Randziffern 6.27 bis 6.29 eigene Richtlinien für Geschäftsbeziehungen ohne persönlichen Kontakt und Sorgfaltsprüfungen, die mindestens so streng sind wie beim persönlichen Termin. Das schließt die Fernöffnung nicht aus, verlagert die Entscheidung aber vollständig ins Risikomanagement der Bank. Je klarer Zweck und Mittelherkunft belegt sind, desto eher trägt dieser Weg.
Außerhalb der großen Finanzplätze gibt es Bankplätze, deren Institute Konten für Nicht-Residenten als Kerngeschäft betreiben. Dort läuft die Eröffnung oft nicht per Video, sondern über beglaubigte Unterlagen und eine Vollmacht. Rechtlich trägt das, weil die beteiligten Staaten Vertragsparteien des Apostille-Übereinkommens von 1961 sind: Eine deutsche, österreichische oder Schweizer Urkunde mit Apostille wird dort ohne weitere Legalisation anerkannt.
Ein Beispiel ist Georgien. Zwischen Deutschland und Georgien gilt das Apostille-Übereinkommen nach der Statusmitteilung der Haager Konferenz seit dem 3. Februar 2010, nachdem Deutschland seinen Einspruch gegen den Beitritt zurückgezogen hatte.
Wie viel Vorbereitung ein solcher Weg braucht, hängt weniger vom Land als von der Qualität deines Dossiers ab: Eine Vollmacht ersetzt die Reise, nicht die Prüfung. Die Bank sieht deine Unterlagen genauso genau an wie bei einem Termin vor Ort. Und wo eine Bank keinen dieser Fernwege anbietet, bleibt nur der persönliche Termin, ganz gleich, was das Gesetz des Landes erlauben würde.
Der Kanal der Eröffnung ändert nichts an den Meldepflichten. Nach Anhang I Abschnitt IV der Richtlinie 2014/107/EU muss eine meldende Bank in der EU bei jedem neuen Konto eine Selbstauskunft zu deiner steuerlichen Ansässigkeit einholen; der Common Reporting Standard sieht für seine Teilnehmerstaaten dasselbe vor. Ob du per Video, per eID oder per Vollmacht eröffnest, spielt dafür keine Rolle. Was gemeldet wird und wohin, erklärt unser Beitrag CRS einfach erklärt. Ein Auslandskonto zu eröffnen und zu führen ist legal; seine Erträge gehören in Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Steuererklärung des Wohnsitzlandes.
Reicht für Video-Ident der Personalausweis, oder brauche ich den Reisepass? Das BaFin-Rundschreiben lässt nur Ausweise mit ausreichend fälschungssicheren, im Video prüfbaren Sicherheitsmerkmalen und einem maschinenlesbaren Bereich zu. Der deutsche Personalausweis erfüllt das. Welche Ausweise eine Bank außerhalb Deutschlands akzeptiert, bestimmt sie selbst; mit dem Reisepass bist du überall auf der sicheren Seite.
Kann eine Firma ein Konto per Video eröffnen? Nach dem BaFin-Rundschreiben nicht direkt. Per Video identifiziert die Bank nur die natürlichen Personen, die für die Firma handeln, also gesetzliche Vertreter oder Bevollmächtigte. Die Gesellschaft selbst weist du mit Registerauszug und Gesellschaftsunterlagen nach.
Ist eine Eröffnung per Vollmacht schwächer als ein Termin vor Ort? Rechtlich nicht, solange die Bank die Unterlagen nach ihrem Geldwäscherecht prüfen kann. Die Apostille sorgt dafür, dass deine beglaubigten Unterlagen im Bankland ohne weitere Legalisation anerkannt werden.
Ändert sich mit der EU-Geldwäscheverordnung 2027 etwas für mich? Ab dem 10. Juli 2027 gelten in der EU einheitliche Wege: Ausweis oder elektronische Identifizierung auf mindestens substanziellem Niveau. Banken außerhalb der EU bleiben bei ihrem eigenen Recht.
Je weniger Kontakt die Bank mit dir hat, desto mehr muss dein Dossier für dich sprechen. Bewährt hat sich diese Liste:
Der häufigste Grund für ein Scheitern ist kein Verbot, sondern ein Antrag bei der falschen Bank. Ein Institut, das Nicht-Residenten nur nebenbei führt, lehnt eine Fernöffnung schneller ab als eines, für das sie Alltag ist. Wenn du wissen willst, welcher Standort mit welchem Identifizierungsweg zu deinem Profil passt, ist die kostenlose Beratung der kürzeste Weg zu einer belastbaren Einschätzung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.
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