
Die Postbank ist für viele Deutsche das erste Konto, das sie je hatten — und für viele Auswanderer die letzte Verbindung zum deutschen Bankensystem. Kann man ein Postbank-Konto mit Wohnsitz im Ausland behalten oder neu eröffnen? Die Antwort ist differenzierter, als die Postbank-Website vermuten lässt.
Wer bereits ein Postbank-Konto hat und Deutschland verlässt, kann es in der Regel weiterführen — wenn er die Bank rechtzeitig informiert und die neue Auslandsadresse meldet. Was du konkret tun musst:
Die Bank kann das Konto kündigen, wenn sie die neue Adresse als Hochrisiko-Land einstuft oder wenn du US-Steuerpflichtiger bist (FATCA). In der Praxis passiert das selten, solange das Konto aktiv genutzt wird.
Hier wird es komplizierter. Die Postbank ermöglicht die Kontoeröffnung grundsätzlich auch für Nicht-Residenten — aber mit deutlich mehr Aufwand als für Inländer:
Für die meisten Auswanderer ist die DKB die einfachere Alternative — Video-Ident ohne Deutschlandreise, für mehr Wohnsitzländer verfügbar. Mehr dazu im nächsten Artikel: DKB Konto für Auswanderer.
Das Postbank Giro direkt ist kostenlos, wenn monatlich mindestens 3.000 € eingehen. Ohne Gehaltseingang fallen 3,90 € Grundgebühr pro Monat an. Hinzu kommen:
Für den reinen Zahlungsverkehr mit Deutschland ist das Postbank-Konto eine solide, aber nicht besonders günstige Lösung. Wer kein deutsches Gehalt bezieht, zahlt dauerhaft Grundgebühr.
Unabhängig davon, ob du das Konto bei der Postbank, der DKB oder einer anderen deutschen Bank führst: Es ist und bleibt ein Konto im deutschen und EU-Regulierungsraum.
Das ist kein Grund, das Konto zu kündigen. Es ist ein Grund, ihm die richtige Rolle zu geben: Zahlungsverkehrskonto für Deutschland-Angelegenheiten, mit überschaubarem Guthaben. Die strukturelle Ergänzung — ein Konto außerhalb der EU — erklärt sich aus diesen Zusammenhängen: Warum außerhalb der EU?
| Kriterium | Postbank | DKB |
|---|---|---|
| Eröffnung ohne Deutschlandreise | Eingeschränkt (Video-Ident nur für bestimmte Länder) | Ja (Video-Ident, breite Länderliste) |
| Kostenlose Kontoführung | Ab 3.000 € Gehaltseingang / Monat | Für Aktivkunden (1 Kartenzahlung / Monat) |
| Weltweit nutzbare Karte | Visa Debit (Gebühren außerhalb EU) | Visa Debit (weltweit kostenlos) |
| Filialzugang | Ja (Postfilialen) | Nein (Direktbank) |
| Eignung für Übersee-Wohnsitz | Eingeschränkt | Besser (mehr Länder unterstützt) |
Kann die Postbank mein Konto kündigen, wenn ich ins Ausland ziehe?
Ja, das ist rechtlich möglich. In der Praxis passiert es selten, solange das Konto aktiv genutzt wird und kein Hochrisiko-Land oder US-Steuerpflicht vorliegt.
Muss ich die Postbank über meinen Wegzug informieren?
Ja — du bist verpflichtet, deine aktuelle Adresse und steuerliche Ansässigkeit mitzuteilen. Falsche Angaben sind ein Compliance-Verstoß.
Kann ich das Postbank-Konto für Auslandsüberweisungen nutzen?
SEPA-Überweisungen innerhalb der EU sind kostenlos. Für Überweisungen außerhalb der EU fallen Gebühren an — hier sind spezialisierte Dienste wie Wise oder Revolut günstiger.
Bekomme ich eine Kreditkarte mit Auslandsadresse?
Das hängt vom Kontomodell und dem Wohnsitzland ab. Im Giro extra plus ist eine Visa-Kreditkarte enthalten; die Lieferung ins Ausland ist möglich, aber nicht garantiert.
Das Postbank-Konto ist für Auswanderer eine funktionale, aber nicht optimale Lösung. Wer bereits eines hat, sollte es behalten und pflegen. Wer neu eröffnen will, hat mit der DKB die einfachere Option. Wichtiger als die Wahl zwischen Postbank und DKB ist aber die Frage, was daneben steht: Ein Konto außerhalb der EU, das weder im EU-Register auftaucht noch dem Bail-in-Regime unterliegt, ist die notwendige Ergänzung zu jeder deutschen IBAN. Welche 31 Jurisdiktionen infrage kommen: Alle Destinationen im Überblick.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.