CRS & Steuern

CRS erklärt: Was der automatische Informationsaustausch für dein Auslandskonto bedeutet

Seit 2017 tauschen über 110 Länder automatisch Finanzdaten aus. Wenn du ein Konto in Spanien, Singapur oder der Schweiz hast und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz steuerpflichtig bist, weiß dein Finanzamt davon — ohne dass du irgendetwas melden müsstest. Die Bank tut es für dich.

Das ist der Common Reporting Standard (CRS).

Was ist CRS?

CRS ist ein internationales Abkommen, entwickelt von der OECD, das Banken in Mitgliedsländern verpflichtet, Kontodaten ausländischer Kunden an deren Heimatländer zu melden. Das Ziel: Steuerhinterziehung durch Auslandskonten zu erschweren.

Konkret meldet deine Bank jedes Jahr an die lokale Steuerbehörde, welche ausländischen Kunden dort Konten haben. Die lokale Behörde leitet diese Daten an das jeweilige Heimatland des Kontoinhabers weiter.

Was wird gemeldet?

  • Name, Adresse, Steueridentifikationsnummer und Geburtsdatum des Kontoinhabers
  • Kontonummer
  • Kontostand am Jahresende
  • Gutschriften und Ausschüttungen während des Jahres

Was wird nicht gemeldet?

  • Einzelne Transaktionen
  • Kaufhistorie
  • Kommunikation mit der Bank

CRS ist kein Totalabruf deiner Finanzgeschichte. Es ist ein jährlicher Schnappschuss: Wer hat was wo.

Welche Länder nehmen an CRS teil?

Stand 2026 nehmen über 110 Jurisdiktionen teil. Einige wichtige Ausnahmen:

Nicht-CRS-Länder (Stand 2026): Vanuatu, Nordmazedonien, Gambia.

CRS ausstehend — Länder, die den Beitritt angekündigt haben, aber noch keinen aktiven Datenaustausch durchführen: Georgien (Beitritt angekündigt für 2024, kein Austausch bis dato), Armenien (Beitritt angekündigt für 2025, kein Austausch bis dato).

Was bedeutet CRS für mich als Kontoinhaber?

Zunächst das Wichtigste: Ein Auslandskonto ist legal. Die Meldepflicht von Auslandskonten an das eigene Finanzamt bestand in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon lange vor CRS. CRS ändert nichts daran, was gemeldet werden muss — es ändert nur, wer meldet.

Was CRS ändert, ist die Durchsetzbarkeit. Vor CRS konnte man theoretisch ein Konto im Ausland haben und hoffen, dass niemand davon erfährt. Das ist vorbei. CRS stellt sicher, dass die Information automatisch fließt.

Wer sein Auslandskonto korrekt in der Steuererklärung angibt, hat durch CRS keinen Nachteil. Wer es nicht angegeben hat, hat jetzt ein Problem.

Warum interessieren sich unsere Kunden trotzdem für Nicht-CRS-Jurisdiktionen?

Die Gründe sind vielfältig — und meistens nicht das, was man vermuten würde.

Viele Kunden suchen nicht nach Steuervermeidung, sondern nach echtem Datenschutz. Sie wollen nicht, dass die Finanzdaten ihres Kontos durch zehn Behörden wandern, bevor sie beim deutschen Finanzamt landen. Jeder Datenpunkt auf diesem Weg ist ein potenzieller Risikopunkt.

Andere suchen nach Jurisdiktionen mit stabileren Bankensystemen, besseren Zinsen oder spezifischen Kontofunktionen — und es trifft sich, dass manche davon nicht CRS-pflichtig sind.

Und dann gibt es die Zeitfenster: Länder wie Georgien und Armenien haben CRS angekündigt, tauschen aber noch keine Daten aus. Wer jetzt ein Konto dort eröffnet, profitiert von der praktischen Privatsphäre eines De-facto-Nicht-CRS-Landes — für die Dauer, die dieses Fenster noch offen ist.

Fazit

CRS ist kein Anlass zur Panik, aber ein Anlass zur Klarheit. Wer sein Auslandskonto korrekt verwaltet, hat nichts zu befürchten. Wer strategisch denkt, berücksichtigt den CRS-Status einer Jurisdiktion als einen von vielen Faktoren bei der Wahl des richtigen Bankstandorts.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.